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Was eine Elektroauto-Werkstatt braucht

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Noch sind relativ wenige Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs. In Anbetracht der E-Mobilitäts-Offensiven verschiedener Automobilhersteller dürfte sich dies in den nächsten fünf bis zehn Jahren zunehmend ändern. Je früher Sie anfangen, Ihren Betrieb zu einer Elektroauto-Werkstatt umzurüsten, desto besser und fließender gelingt Ihnen der Übergang. Wir beschreiben wesentliche Aspekte rund um die notwendige Arbeitsplatz-Anpassung und geben Tipps zu einer optimalen Arbeitsorganisation in der Werkstatt für E-Autos.

Qualifiziertes Personal ist immer die Basis

Ehe Sie darüber nachdenken, wie Sie Ihre Werkstatt gut mit dem Elektroauto in Einklang bringen, sollten Sie Ihre Mitarbeiter umfassend auf die neue Technologie und die damit verbundenen Veränderungen im Arbeitsalltag vorbereiten. Überhaupt ist es einzig und allein unterwiesenem Fachpersonal erlaubt, Wartungen, Reparaturen und andere Service-Leistungen an Elektrofahrzeugen durchzuführen. Ohne die entsprechende Qualifizierung darf ein Mechaniker bei einem elektrifizierten Pkw nicht einmal die Reifen wechseln.

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Dreistufige Fortbildung erforderlich

Jeder Mitarbeiter einer Elektroauto-Werkstatt muss zunächst eine dreistufige Fortbildung absolvieren, bevor er bei E-Autos freie Bahn hat.

  • Nach Stufe 1 ist es immerhin gestattet, Fahrzeuge mit Hochvolt-Technik zu berühren – allerdings nur, solange keine spannungsführenden Autoteile in der Nähe sind.
  • Bei Stufe 2 kommen dann schon umfassendere Arbeiten am Elektroauto infrage.
  • Nach Stufe 3 gibt es keine Einschränkungen mehr, sodass sich der Mitarbeiter auch an Tätigkeiten direkt am Hochvolt-System heranwagen kann.

Auf dem Weg dahin nimmt der „Lehrling“ über 100 Unterrichtsstunden. Die Seminare werden unter anderem durch TÜV und Dekra sowie von einigen Autoherstellern und Zulieferern angeboten.

Arbeit „unter Strom“ erfordert ein adaptiertes Werkstattsystem

Der obligatorische Ölwechsel und auch andere typische Arbeiten in der traditionellen Kfz-Werkstatt fallen in einem modernen Elektroauto-Betrieb zur Gänze weg. Stattdessen beschäftigen sich die Mitarbeiter mit Elektromotoren, Hochvolt-Batterien und anderen Komponenten, die in Autos mit klassischem Verbrennungsmotor nie vorgekommen sind. Natürlich erfordern all diese Unterschiede ein angepasstes Werkstattsystem.

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Werkzeug für Elektro- und Hybridautos

Unumgänglich ist es, den Arbeitsplatz mit adäquatem Werkzeug für E-Autos auszurüsten. Nur so lassen sich Arbeiten an den elektrifizierten Fahrzeugen fachkundig meistern. Konkret bedeutet das, dass Sie sich eine umfangreiche Ausstattung mit VDE-Werkzeugen zulegen müssen. Der VDE ist der deutsche „Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik“. VDE-Werkzeuge zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie für Arbeiten unter Spannung bis 1.000 Volt (AC) und 1.500 Volt (DC) geeignet sind.

Zu den wichtigsten Elementen für eine funktionierende Elektroauto-Werkstatt gehören Prüfgeräte zur Messung von Gleich- und Wechselspannung, für die Widerstands- und Durchgangsprüfung sowie für Diodentests und die kontaktlose Spannungsprüfung.

Schutzausrüstung für jeden Mitarbeiter

Um die nötige Arbeitssicherheit zu gewährleisten, ist geeignete Schutzkleidung essenziell. Jeder Mitarbeiter in der E-Autowerkstatt sollte eine antistatische Hose und Bundjacke tragen. Des Weiteren sind Sicherheitsschuhe der metallfreien Sicherheitsklasse S3 und zuverlässige Spannungsschutz-Handschuhe elementar.

Arbeitsplatz ausreichend kennzeichnen

Wenn wir schon beim Thema Schutz und Sicherheit sind: Der Wechsel von Kraftstoff auf elektrische Energie geht auch mit Veränderungen hinsichtlich der Unfallgefahren bei der Arbeit mit den Elektroautos einher. Ein positiver Effekt ist die Tatsache, dass in einer reinen Elektroauto-Werkstatt keinerlei Abgasbelastung mehr vorliegt. Doch jeder weiß, dass die elektrische Energie mit enormen Risiken verbunden ist, wenn man ungewollt mit ihr in Berührung kommt Stichwort Stromschlag.

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Deshalb ist in Ihrer Autowerkstatt die Arbeitsplatzkennzeichnung vorgeschrieben. So ist klar ersichtlich, wo Arbeiten an Hochvolt stattfinden. Zu diesem Zweck gibt es beispielsweise Hinweisschilder in diversen Größen oder auch praktische Magnetträger, die dort, wo sie positioniert werden, die Mitarbeiter darauf aufmerksam machen, dass Hochvolt im Spiel und deshalb höchste Vorsicht geboten ist. Ergänzend können Sie auch Absperrpfosten einsetzen, um die Bereiche abzugrenzen, die nicht unüberlegt von jedermann betreten werden sollten.

Weitere Schilder und Tafeln für ein Top-Organisationssystem

Überdies empfiehlt es sich, mehrere Schilder mit der Aufschrift „Rauchen verboten“ anzubringen. Auch schlichte, übersichtliche Tafeln mit Angaben zu den Stunden- oder Arbeitswertverrechnungssätzen können nützlich sein.

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Nicht alles ist „nur“ auf die Elektroauto-Werkstatt ausgelegt

Neben den Utensilien, die ausschließlich oder vordergründig der Arbeitsorganisation in Elektroauto-Betrieben dienen, gibt es auch einige Hilfsmittel, die in jeder Autowerkstatt vorhanden sein sollten.

Arbeitskarten

Um Aufträge unkompliziert und übersichtlich zu notieren, sind detailreich vorgedruckte Arbeitskarten sehr praktisch. Diese stehen in unterschiedlichen Größen und mit verschiedenen Vorlagen (Angaben) zur Verfügung.

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Auftragstaschen

Damit die ausgefüllten Arbeitskarten nicht lose in der Autowerkstatt herumliegen und Ihre Mitarbeiter den Überblick behalten, legt man sämtliche Auftragsdokumente am besten in robuste Auftragstaschen. Diese lassen sich über unterschiedliche Farben spezifischen Themen zuordnen – beispielsweise nach der Dringlichkeit (sehr dringend versus weniger eilig) oder nach der genauen Art des Auftrags (Checken/Laden/Austauschen der Hochvolt-Batterie, kleine Reparaturen etc.) sortieren und ordnen.

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Werkstattplaner und Terminkalender

Die angenommenen Aufträge sollten selbstverständlich auch in einem Werkstattplaner oder Terminkalender sauber vermerkt werden  schon allein, um die volle Übersicht zu behalten und die Aufträge wie mit den jeweiligen Kunden vereinbart fertigzustellen.

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Alles für die Reifen

Wie Kfz-Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor können auch E-Autos nur mit Reifen fahren. Reifenwechsel und dergleichen fallen in der Elektroauto-Werkstatt also weiterhin an. Deshalb dürfen Utensilien für ein sinnvolles Organisationssystem unter keinen Umständen fehlen.

Dazu zählen unter anderem ReifenregaleReifensäcke und Reifenwagen.

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Dellen- und Kratzermarkierungen

Bei mehreren auf Wartung, Service oder Reparatur wartenden Fahrzeugen in der Autowerkstatt merkt sich wahrscheinlich kaum jemand, wo genau der Kratzer oder die Delle an diesem und jenem Wagen war. Um die Stellen nicht immer wieder suchen zu müssen und dabei unnötig Zeit zu verschwenden, sind Dellen- und Kratzermarkierungen nützlich. Magnetpfeile oder -ringe erweisen sich als besonders praktisch.

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LED-Werkstattlampen

Gutes Licht in allen Bereichen, in denen an den Elektroautos gewerkelt wird, ist für ein überzeugendes Werkstattsystem unerlässlich. Die Mitarbeiter müssen stets ganz genau sehen, was sie tun. Kleine LED-Arbeitslampen und große LED-Flutlichtstrahler erwirken optimale Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz.

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Gute Arbeitsorganisation ist alles

Beim Umrüsten auf eine Elektroauto-Werkstatt oder dem Neuaufbau eines solchen Arbeitsplatzes kommen zum Teil andere Herausforderungen in Bezug auf die Arbeitsorganisation auf Sie zu als in einem „normalen“ Kfz-Betrieb. Es scheint jedoch sicher, dass das Elektroauto das „neue Normal“ markiert. Die dominierende Elektronik und die notwendigen Arbeiten an Hochvolt-Systemen erfordern zwar ein gut durchdachtes Sicherheitskonzept. Darüber hinaus braucht es Werkzeug, das speziell auf Elektro-Fahrzeuge ausgelegt ist und natürlich grundlegende Hilfsmittel wie Arbeitskarten und Planer. Mit Köpfchen und den richtigen Utensilien schaffen Sie ein rundum perfekt funktionierendes Werkstattsystem, das der E-Mobilität zu 100 Prozent gerecht wird.